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Windrichtung und Windgeschwindigkeiten

Wetterwissen > Wetterkarten

Diese Karten benutzt man um die Windscherung zu ermitteln. Dafür schaut man sich die Windgeschwindigkeit und Windrichtung in verschiedenen Höhenschichten an einem Ort an und kann so die Scherung bestimmen. Man benötigt die Bodenwindkarte, die des 850er-Niveaus, die des 700er-Niveaus, die des 500er-Niveaus und (im Sommer) die des 300er-Niveaus, gelegentlich auch die 200er (bei hoher Labilität). Die Windrichtung wird durch die Pfeile angegeben, die Windgeschwindigkeit anhand der Farbskala. Im Zentrum von Druckgebieten ist es immer fast windstill. Diese Karte repräsentiert das Bodenwindfeld:

10mwind

Hier erkennt man den Sturm vor Norwegen und eine windschwache Umgebung in Mitteleuropa. Allerdings sind die Bodenwerte nur im Flachland und am Meer repräsentativ, da Gebirge und andere Hindernisse den Wind beeinflussen. Meist ist der Wind über Land viel stärker als in den Karten vermerkt. Auf der 850er Karte sieht man diesen Unterschied:

850wind

So ist der Wind in der Mitte Deutschlands hier deutlich stärker als auf der vorherigen Karte. Auf den niedrigen Gipfeln der Mittelgebirge (300 - 500m) ist der Wind in Böen etwa so stark wie hier auf dieser Karte (ca. 10m/s). In größeren Höhen ist der Wind stärker (ab 800m bereits in Böen 15m/s). Bei böigem Wind kann man in 1,4km Höhe den hier dargestellten Wert verdoppeln um die maximale Windgeschwindigkeit zu bekommen. Schauer und Gewitter können den Höhenwind (700hPa-Niveau) in ihren Abwind mit einbeziehen und so Sturm- oder Orkanböen verursachen, man spricht dann vom so genannten Impulstransport. Die 850er Windkarten sind gute Indikatoren für Sturmfelder (über 22m/s = 45kt in 850hPa bedeutet Böen der Stärke 9 ab einer Höhe von 300m). Nun folgt eine Karte der Höhenwinde (auch High Level Jet oder Jetstream genannt) aus dem 300er-Niveau:

300wind

Man erkennt hier die Zentren von Druckgebieten, dort ist es fast windstill, und den Jetstream, ein starkes Westwindband in großer Höhe. Die Werte auf der Skala sind sehr viel größer als auf den vorigen Windkarten. Aufgrund der viel geringeren Reibung gegenüber dem Boden strömt der Wind sehr viel schneller. Südlich von Grönland erreicht er Maximalwerte über 300km/h im Durchschnitt! Ich verweise nochmals auf die Interpretation von Hodogrammen. Man kann sich gut vorstellen, was ein solcher Höhenwind mit einem Gewitteraufwind macht, nämlich dasselbe wie eine Wasserstrahlpumpe: mit gewaltiger Kraft ansaugen. Der Amboss wird sehr stark ausgeblasen und der Niederschlag fällt weiter vom Aufwind entfernt. Anhand des Höhenwindes lassen sich Rückschlüsse über die Entwicklungsgeschwindigkeit und Verlagerung von Tiefdruckgebieten ziehen: Im Bereich starker Höhenwinde entwickeln sich neue Tiefs sehr rasant, vor allem auf der Nordseite des Jetstreams (man spricht von starker Zyklogenese) Die hohen Windspitzen kommen durch die Druckgebiete zustande, da der Wind ein Druckgebiet umströmen muss. Westlich von Großbritannien liegt ein sehr großes und mächtiges Hoch, über Island liegen mehrere starke Tiefs. Folge: Der Wind wird von den Druckgebieten in die Zange genommen und beschleunigt.

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