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Reiseberichte > Schweden 2001

Sonntag, 25.11.2001
Heute wollen wir einen Elch sehen. Von unserem Vermieter wissen wir, dass man vielleicht glück haben könnte, wenn man Richtung Killinge fährt. Das tun wir dann auch. Vielleicht können wir uns dann auch bei der Gelegenheit die Killinge-Fallet ansehen. Wir machen uns auf den Weg; ca. 50 km liegen vor uns. Es schneit im Moment nicht, so dass wir auch nicht befürchten müssen, im Schnee stecken zu bleiben. Wir halten links und rechts der Straße Ausschau und lassen unsere Blicke auch in die Ferne schweifen. Wir sind ja schon froh, wenn wir etwas erblicken, was auch nur im Entferntesten Ähnlichkeit mit einem Elch hat. Ab und zu bleiben wir stehen und machen hin und wieder Fotos von der Landschaft. Wir bestaunen die fast zugefrorenen Flüsse mit den aufgeschichteten teilweise zerborstenen Eisschollen. Während wir so mit gemäßigtem Tempo fahren, hält Peter plötzlich das Auto und baut seine Videokamera mit Stativ auf. Auf dem Monitor der Videokamera erkenne ich jetzt, was Peters Interesse geweckt hat Ich sehe einen Elch, der uns anscheinend auch über die Entfernung bemerkt hat, denn er schaut zu uns herüber. Kurze Zeit später setzt sich der Elch in Bewegung und trabt davon. Bald ist er hinter Büschen verschwunden. Ich weiß nicht, wie Peter es angestellt hat, das Tier zu entdecken (das auch noch während der Fahrt), denn mit bloßem Auge war der Elch nur als Punkt zu erkennen.
Der Elch ist ja nun leider weg; also fahren wir weiter nach Killinge. Hier sehen wir das Schild „Killinge Fallet 1 km“. Die Straße bis hierher ist gut geräumt, was man von dem Weg, den wir jetzt fahren müssten, nicht sagen kann. Wir haben für den Notfall zwar Schneeketten mitgenommen, wollen den Notfall aber nicht selber herbeiführen. Mit anderen Worten: Wir wollen vermeiden, sie zu benutzen; das wäre dann nämlich für uns Premiere. Für 1 km Fußmarsch sind wir aber auch nicht in Stimmung, zumal Peter gerade erst seine Grippe überstanden hat. Wir beschließen, auf die Wasserfälle zu verzichten und die Rückfahrt anzutreten. Ich bin ein bisschen traurig, weil ich die Wasserfälle gerne gesehen hätte, lasse aber die Vernunft siegen. Auf der Rückfahrt nach Skaulo sehen wir außer dem weiten, schneebedeckten Land, das allein schon sehenswert ist, nichts Außergewöhnliches (Tiere) mehr. Wieder an der Hauptstrasse angekommen, entschließen wir uns, noch nach Kiruna zu fahren. Die Dämmerung hat zwar schon eingesetzt, aber es ist ja erst früher Nachmittag. Wir haben also jede Menge Zeit. Während der Fahrt fängt es auch noch an zu schneien.
In Kiruna stiefeln wir bei Schneegestöber durch die Stadt. Es kommt jetzt nämlich auch noch mäßiger wind auf, und wir finden die Stimmung, die dieser beginnende Schneesturm schafft, ganz aufregend. Es ist jetzt auch schon stockduster. Wir begeben uns zum Bahnhof und wieder zurück, stapfen durch die Straßen der Stadt. Hier beginnen sich auch schon leicht, Schneewehen aufzutürmen. Die Stadt wirkt wie ausgestorben, aber in Verbindung mit dem Schneesturm herrscht hier irgendwie eine abenteuerliche Atmosphäre. Niemand traut sich vor die Tür, nur wir sind so wagemutig. Peter und ich lieben solche Wetterextreme. Nach unserem Stadtrundgang fahren wir wieder Richtung Skaulo. Nachdem wir einige Kilometer gefahren sind, gerät auf einmal der Verkehr ins Stocken, und das Ende vom Lied ist, dass wir im Stau stehen. Staus sind angesichts des niedrigen Verkehrsaufkommens hier etwas sehr Ungewöhnliches. In weiter Ferne jedoch können wir den Grund erahnen. Blinkende Blaulichter hellen den Horizont auf. Im Kriechtempo nähern wir uns dem Geschehen. Schließlich passieren wir die Unfallstelle eines Schwerstunfalls. Ich sehe drei völlig zerstörte Autowracks und bin total schockiert. So, wie die Autos aussehen, hat es bestimmt Tote gegeben. Noch nie bin ich an eine Unfallstelle gekommen mit derart zerstörten Auto, und ich grübele intensiv darüber nach. Was mag der Grund für den Unfall gewesen sein? Ein missglücktes Überholmanöver? Ein Elch? Oder beides? Was wäre gewesen, wenn wir eine halbe Stunde früher in Kiruna losgefahren wären? Wären wir in den Unfall verwickelt gewesen? An dieser Stelle mag ich nicht weiterdenken; ich möchte mir das lieber nicht vorstellen.
Nachdenklich erreichen wir irgendwann unsere Hütte, machen uns etwas zu essen und gehen bald zu Bett. Draußen heult unvermindert der Schneesturm.

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