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Reiseberichte > Schweden 2001

Samstag, 24.11.2001
8:00 Uhr – Der Wecker klingelt. Heute möchte ich eine Hundechlittenfahrt machen. Unsere Vermieterin hatte das für uns eingefädelt und mir am Vortag gesagt, wann und wo wir uns einfinden sollen (9:45 Uhr in Dundret bei Gällivare). Deshalb müssen wir heute einmal etwas früher aufstehen. Wieder hüllen wir uns im unsere warmen Winterklamotten, schnappen uns unsere Kameras, und auf geht die Fahrt. Während wir uns Gällivare nähern, reißt sogar mehr und mehr die Wolkendecke auf. Einige Wolken hängen sehr tief, und es sieht fast so aus, als würde sich die eine oder andere Wolke gemütlich in ein Tal oder auf einen Berg zum Schlafen legen. Zwischen den einzelnen Wolken ist jetzt sogar blauer Himmel zu erkennen. Die Wolkenlücken vergrößern sich mit der Zeit. Insgesamt sieht der Himmel sehr schön aus: Auf der einen Seite dunkelgraue Wolken, die so aussehen, als würde es gleich einen Regenschauer geben, auf der anderen Seite blauer Himmel, und sogar die Sonne leuchtet jetzt die Landschaft aus.
Da wir nicht mehr genug Bargeld haben, fahren wir in Gällivare erst bei einem Geldautomaten vorbei. Ich hebe 700 Kronen ab. Dann geht es weiter nach Dundret; wir sind zu früh, es ist 9:30 Uhr. Aber wir nehmen schon mal unsere Sachen (Mützen, Handchuhe). Diesmal nehme ich vorsichtshalber sogar meine Sturhaube mit. Wir fragen an der Rezeption des Hotels Björnfällen nach dem Veranstalter der Hundeschlittentouren. Seinen genauen Namen weiß ich nicht mehr, ich weiß nur noch, dass er auch Peter heißt. Er ist jedoch leider noch nicht da, so dass wir noch einige Minuten warten müssen. Dann tritt er ein. Ich und drei Japaner, die wohl auch die Tour mitmachen wollen, heften sich sofort an seine Fersen. Für die Tour erhält man dort einen Ski-Anzug. Da ich jedoch einen Schneeanzug habe, und auch warm genug abgezogen bin, brauche ich nicht zum Umziehen mitzukommen, sondern warte vorne an der Rezeption. Als die anderen wieder dort auftauchen, geht’s los. Wir werden gefragt, ob wir mit dem Auto da sind, da Peter (vom Dog-Team) nicht genug Platz in seinem Wagen hat. Also fährt Peter mit den drei Japanern voraus, und Peter und ich fahren hinterher. Peter hat sich ja schon sehr gut an die dort übliche Fahrweise auf verschneiten und glatten Straßen angepasst, aber Peter (vom Dog-Team) fährt so zügig, dass wir kaum hinterher kommen. Beim Startplatz für die Hundeschlitten-Tour angekommen steigen wir aus dem Auto aus und sehen zu, wie der Schlitten startklar gemacht wird. Hund für Hund wird vor den Schlitten gespannt. Insgesamt sind es 12 Hunde. Ich bekomme fast ein schlechtes Gewissen; die Hunde sehen so zierlich aus. Ich hatte mit Schlittenhunde immer kräftiger und größer vorgestellt. Die Hunde jaulen und machen einen ganz schönen Lärm. Aber das gehört natürlich auch dazu. Mir bläst ein eiskalter Wind ins Gesicht, und ich halte es für besser, diesmal meine Sturmhaube aufzusetzen. Außerdem tauschen Peter und ich noch unsere Mützen, da seine Mütze die Ohren besser warm hält. Dann darf ich auf dem Schlitten Platz nehmen; ich darf ganz vorne sitzen. Damit die Hunde nicht gleich mit dem Schlitten abhauen, ist er noch an einer Leine irgendwo festgebunden. Jetzt wird die Leine gelöst, die Fahrt beginnt und führt uns direkt auf einen zugefrorenen See. 40 cm dick ist das Eis, wie mir Peter (vom Dog-Team) später erzählt. Nach 10-15 Minuten wird der Schlitten kurz angehalten. Peter steigt vom Schlitten, vergewissert sich, dass es allen gut geht und dass keiner friert. Dann wird die Fahrt fortgesetzt. Die Landschaft ist wieder mal traumhaft: Der riesige, zugefrorene See. Die knapp über dem Horizont stehende Sonne, die die Schneedecke auf dem See aufleuchten lässt, am Seeufer verschneite Wälder, ab und zu eine einsame, verlassene Fischerhütte. Es ist jetzt übrigens 10:30 Uhr, aber viel höher wird die Sonne nicht mehr steigen, eher im Gegenteil: Sie senkt sich schon wieder. Eine Stunde soll die Fahrt dauern; nach der Hälfte der Zeit machen wir eine Pause. Der Schlitten muss natürlich wieder festgebunden werden. Peter schenkt allen Kaffee ein und verteilt Kuchen. Jetzt können wir uns etwas stärken. Leider sind meine Handschuhe dabei etwas unhandlich, so dass ich sie ausziehen muss. Die Temperatur liegt vielleicht bei -5° C, aber es bläst ein eisiger Wind, so dass meine Hände ziemlich schnell immer kälter werden. Also stürze ich die restliche halbe Tasse Kaffee hinunter, stopfe im Eiltempo den Kuchen in mich hinein, damit ich möglichst schnell meine Handschuhe wieder anziehen kann. Peter unterhält sich kurz mit uns. Dann setzen wir uns alle wieder auf den Schlitten, die Leine wird gelöst, und die Fahrt wird fortgesetzt. Die Hunde müssen sich ganz schön durch den Schnee hindurchkämpfen; so sieht es jedenfalls für mich aus. Um ca 11:00 Uhr erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt. Wir dürfen die Hunde jetzt streicheln. Sie haben ein ganz dickes, flauschiges Fell. Wenn man sich das Fell wegdenkt, sind die Hunde ja noch zierlicher, als sie so schon aussehen. Dass die so viel Kraft haben, hätte ich nicht gedacht. Peter hat die ganze Zeit hier im Auto auf mich gewartet und kommt jetzt auch auf uns zu. Ich stelle Peter (vom Dog-Team) eine Frage, die mich schon die ganze Zeit beschäftigt: „Ist es schwere Arbeit für die Hunde, den Schlitten zu ziehen?“ „Je nach Schneehöhe kann man längere oder weitere Touren machen. Wenn man das berücksichtigt, ist es keine schwere Arbeit für die Tiere“, bekomme ich zur Antwort. Wir verabschieden uns dann vom Hundeführer und auch von den Hunden und fahren zurück nach Gällivare. Dort suchen wir „unsere Bäckerei“ auf, trinken Kaffee und wärmen uns auf. Im Fernsehen läuft hier eine Ski-Meisterschaft, Übertragung aus Östersund. Die Dämmerung beginnt auch schon wieder. Im Halbdunkel fahren wir dann nach Skaulo zurück. Die Wolken haben leider kein Erbarmen mit uns und formieren sich über unseren Köpfen, so dass wir auch diese Nacht keinen Blick auf ein Polarlicht erhaschen können.

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