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Reiseberichte > Schweden 2001
Freitag, 23.11.2001
Wir wachen auf, und siehe da: Es schneit heute morgen nicht mehr. Wir beschließen, nach dem Frühstück uns unsere Kameras zu schnappen, und ein paar Aufnahmen von der traumhaften Winterlandschaft zu machen. Fotografiert haben wir ja bisher noch nicht so viel. Wir treten vor die Tür und schießen hier schon unsere ersten Fotos. Es hat wirklich eine Menge Schnee gegeben. Die Hütten haben alle eine „weiße Mütze“; auch unser Auto ist leicht eingeschneit, und alle Bäume sind voller Schnee. Nachdem Peter im Auto schon mal die Heizung angemacht hat und alle Scheiben aufgetaut sind, setzen wir uns in den Wagen und fahren los – nur ein paar Kilometer Richtung Norden. Wir fahren dann in eine Seitenstraße hinein und folgen einem Schneepflug. Der aufgewirbelte Schnee fliegt meterhoch und glitzert in der Sonne. Momentmal – Sonne? – Ja! Der Himmel klart tatsächlich etwas auf. Vielleicht hat der Wetterbericht recht was die Wetterbesserung betrifft. Wir beginnen wieder auf eine sternenklare Nacht zu hoffen. Dann fahren wir auf einen nahe gelegenen Parkplatz (ca. 5 km von unserer Hütte entfernt). Dort ist eine Brücke; die wollen wir jetzt betreten. Wir schnappen uns unsere Kameras, Handschuhe, Mützen und alles, was man sonst noch bei einer Außentemperatur von -5° C so braucht. Außerdem nimmt Peter diesmal seinen GPS-Empfänger mit (falls wir uns verlaufen). Wir wandern also quer über den Rastplatz, der bis zu einer gewissen Grenze gut vom Schnee befreit ist. Als wir jedoch diese Grenze überschreiten, stehen wir plötzlich in kniehohem Schnee, steuern aber weiterhin auf die Brücke zu. Jedenfalls wird uns dabei nicht kalt. Es ist nämlich ganz schön anstrengend, durch kniehohen Schnee zu waten. Auf der Brücke angekommen müssen wir jetzt unbedingt Fotos machen. Uns zeigt sich eine einzigartige Winterlandschaft. Der See (über den sich die Brücke spannt) ist eine riesige, weiße Fläche. ( Die Seen hier sind nur deshalb als Seen zu erkennen, weil dort keine Bäume wachsen. Die verschneiten Wälder rings um uns herum, soweit das Auge reicht, sind wunderschön. Peter verlässt am anderen Ufer die Brücke und macht einen Abstecher einen kleinen Abhang hinunter zu einer Art Höhle. Wofür die da ist, wissen wir leider auch nicht. Dann machen wir uns auf den Rückweg. Diesmal haben wir es etwas leichter: Wir brauchen nur in unsere Fußspuren zu treten. Wir haben jetzt noch ca. 1 Stunde Zeit, bis die Sonne so langsam anfängt, sich zu verabschieden, und ich würde ganz gerne noch auf der anderen Straßenseite etwas im Wald herumspazieren. Ich habe ja die Hoffnung noch nocht aufgegeben, noch mal einen Elch oder vielleicht andere Tiere zu sehen. Peter widerspricht nicht, also wechseln wir die Straßenseite. Dort angekommen stiefeln wir wieder durch kniehohen Schnee. Wir gehen ein Stück in den Wald hinein; außer uns ist hier natürlich keine Menschenseele. Hier achten wir wieder auf Tierspuren. Auch machen wir ein paar Fotos. Peter macht mit seiner Videokamera sogar ein paar Makroaufnahmen von einzlnen Schneesternen. Zum Schluss will Peter mir beibringen, wie wir den Weg zum Auto finden, ohne unseren Fußspuren zu folgen. Also gehen wir einen anderen Weg zurück. Da wir aber nicht sehr weit in den Wald hineingegangen sind und man sich die nahe gelegene Straße mit ihren Autogeräuschen einfach nicht wegdenken kann, fällt uns das nicht sonderlich schwer. Wir kehren zuerst zum Auto und dann zu unserer Hütte zurück. Die Dämmerung beginnt jetzt auch schon und der Himmel hat sich auch schon wieder zugezogen. Keine guten Aussichten für Polarlichter. Vielleicht – mit viel Glück – öffnet sich ja die Wolkendecke wieder, und Peter beschließt, trotz des bedeckten Himmels sein Teleskop aufzubauen. Dann gehen wir in die Hütte und machen uns etwas zu essen. Von Zeit zu Zeit gehen wir vor die Hüttentür, um eine Zigarette zu rauchen, sehen zum Himmel, sind enttäuscht, weil immer noch keine Sterne zu sehen sind und gehen wieder in die Hütte hinein. Ich schreibe wieder an meinem Tagebuch. Peter geht es wegen der Einnahme der Tabletten schon merklich besser, und er fühlt sich nicht mehr so schlecht, so dass er nicht mehr so früh zu Bett gehen muss. Leider kann man aber auch weder Sterne noch Polarlichter sehen. Also, wie beschäftigt man sich? (Telefon und Fernseher haben wir nicht.) Eine schwierige Frage. Ich lese Peter eine kurzen Part aus meinem Tagebuch (siehe Montag, 19.11.01) vor, wo ich nicht noch eine Nacht im Auto schlafen wollte: „Unmut macht sich breit.“ Peter antwortet sofort: „Unmut macht sich breit? Frust macht sich breit!!“ Da wir so langsam aber sicher die Hoffnung aufgeben, dass der Himmel noch aufklart, baut Peter um 23:00 Uhr sein Teleskop ab. Schade! Es ist leider bisher noch nicht zum Einsatz gekommen, und wir hatten es doch extra mitgenommen, weil man hier, weitab von Großstädten, den Sternenhimmel viel schöner erleben kann als bei uns. Außerdem hätte Peter so gern Fotos mit seinem Teleskop gemacht. Damit der Abend nicht zu langweilig wird, schlage ich Peter vor, an seinem Laptop zu spielen. Da er aber keine interessanten Spiele auf seinem Laptop installiert hat, ist er gezwungen, Solitaire zu spielen. Irgendwann später gehen wir dann zu Bett, stellen uns aber vorher den Wecker für den nächsten Tag auf 8:00 Uhr.