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Reiseberichte > Schweden 2001
Donnerstag, 22.11.2001
Der Tag beginnt so, wie der vorherige aufgehört hat: Es schneit. Es hat gestern den ganzen Tag geschneit, es hat die ganze Nacht geschneit, und es schneit heute morgen immer noch. Wir essen Frühstück und suchen gleich danach die Unterlagen von unserer Krankenversicherung zusammen. Peter hat sein Fieber die letzte Nacht ausgeschwitzt, d. h. dass seine Körpertemperatur heute morgen normal ist. Wir beschließen aber, auf jeden Fall trotzdem zum Arzt zu fahren, denn Peter hat immer noch Kopf-, Hals und Ohrenschmerzen. Also auf nach Gällivare. Die Straße ist gut zu befahren, denn die Schneeräumfahrzeuge fahren hier regelmäßig. Allerdings ist die Sicht etwas behindert, da es ja immer noch kräftig schneit. Aber Peter stört das nicht. Er fühlt sich auf den Straßen hier wie zu Hause. In Gällivare folgen wir der Beschilderung „Sjukhus“, zu deutsch: Krankenhaus. Aber leider können wir das Krankenhaus nicht finden. Deshalb suchen wir uns einen Parkplatz in der Nähe der Touristen-Information. Im Touristen-Büro angekommen frage ich dann nach dem Weg zum Krankenhaus. Die Frau dort breitet sofort eine Karte vor uns aus und erklärt uns anhand dieser Karte den Weg zum Krankenhaus. Die Karte dürfen wir natürlich mitnehmen. Bevor wir jedoch gehen, erwerben wir noch für jeden von uns ein Zertifikat, dass uns die Überquerung des Polarkreises bescheinigt. Man braucht ja schließlich ein Andenken. Dann machen wir uns wieder auf den Weg zum Auto. Als wir fast wieder dort angekommen sind, bemerkt Peter plötzlich, dass er seine Mütze hat liegenlassen. Er sagt, ich hätte nicht richtig auf ihn aufgepasst, aber das stimmt nicht. Ich habe auf ihn aufgepasst, nur auf seine Mütze habe ich nicht aufgepasst. Also wieder zurück, Mütze greifen und dann zum Auto. Anhand der Wegbeschreibung finden wir das Krankenhaus auch schnell. Wir gehen zur Anmeldung. Da dort niemand sitzt, versuchen wir unser Glück in der benachbarten Krankenhausbibliothek. Eine Schwester zeigt uns auf Grund unserer Erläuterungen den Weg zur Notaufnahme. Dort angekommen werden wir von einem Krankenpfleger in einen Behandlungsraum geführt. Der Krankenpfleger misst bei Peter Fieber und gibt ihm ein Formular, welches er ausfüllen muss (Name, Anschrift usw.) Leider muss man auch die Personalausweis-Nummer angeben; Peters Ausweis liegt jedoch im Auto. Ich mache mich auf den Weg durch das Schneegestöber zum Auto und hole den Ausweis. Als ich wieder in dem Behandlungszimmer ankomme, ist der Arzt bereits bei Peter. Ich höre noch, wie Peter seine Beschwerden in deutsch erläutert. Wie Peter mir später erzählt, ist der Arzt Däne, der auch etwas deutsch spricht und versteht. Wir erfahren, dass Peter sich Haustiere zugelegt hat, auch Streptokokken genannt. Der Arzt schreibt Peter ein Rezept über Penicillin-Tabletten aus. Wir sind sehr überrascht, dass wir für die Behandlung kein Geld bezahlen müssen. Alles, was wir bisher gehört bzw. gelesen hatten, war, dass Behandlungen sofort vor Ort bezahlt werden müssen. Da dem aber nicht so ist, nehmen wir an, dass das Krankenkaus direkt mit unserer Krankenkasse abrechnet. Bevor wir das Krankenhaus verlassen, gehen wir noch in die Krankenhaus-Apotheke, um das Medikament abzuholen. Fazit: Es hat alles sehr gut geklappt. Hätten wir gewusst, dass der Arztbesuch so problemlos verläuft, wären wir mit Sicherheit schon früher zum Arzt gegangen, und Peter hätte nicht so lange leiden müssen.
Es hat ganz schön viel geschneit während unseres Aufenthaltes im Krankenhaus. Das war ca. Stunde. Es ist allerdings nicht sehr kalt, wenn man bedenkt, was hier sonst für Temperaturen herrschen können. Die Temperatur schwankt nämlich heute zwischen 0° und -3° C. Da wir schon mal hier im Ort sind, wollen wir gleich noch einige Sachen erledigen. Unser nächstes Ziel ist die Bücherei. Peter muss unbedingt wissen, ob schon jemand auf seine eMails geantwortet hat. Für mich ist das eher langweilig, da ich währenddessen nur dumm herumsitze, aber ich weiß ja, dass es für ihn wichtig ist. Um mir die Zeit zu vertreiben, lese ich eine Broschüre über Schwedens Wirtschaft (in Deutsch). Als Peter endlich fertig ist „mit seinem Internet“, verlassen wir die Bücherei wieder. Es ist jetzt fast dunkel und schneit immer noch kräftig. Wir beschließen, nicht gleich wieder nach Hause zu fahren, sondern uns den Ort etwas anzusehen. Ich bin immer noch auf der Suche nach einem Souvenirgeschäft. Außerdem genießen wir dieses herrliche Winterwetter. Es schneit jetzt seit fast 36 Stunden, aber mit Schneeanzügen, langer Unterwäsche, 2 Paar Strümpfen, warmen Stiefeln, Mützen und Handschuhen ist uns nicht kalt. Wir wandern also durch den Ort auf und ab, vor und zurück, doch ein Souvenirgeschäft finden wir nicht. Wir kaufen jedoch ein paar Postkarten, die natürlich das Polarlicht zeigen. Dann kehren wir in ein Café ein. Wir haben Hunger, und Peter hat Kaffeedurst. Danach ist unsere Wanderung durch den Ort aber noch nicht beendet. Wir gehen noch eine ganze Weile, bis wir am Bahnhof des Ortes angekommen sind und machen dann kehrt. Am Auto angekommen treten wir die Heimfahrt (zu unserer Hütte) an. Es ist ca. 17:00 Uhr. Es schneit immer noch kräftig; man hat sogar den Eindruck, dass sich die Schneefälle im Laufe des Tages noch verstärkt haben. Die Sicht ist noch schlechter als heute morgen. Ich habe schon ein etwas mulmiges Gefühl, wenn uns ein LKW entgegenkommt Der wirbelt so viel Schnee auf, dass man erstmal 2-3 Sekunden lang gar nichts mehr sieht. – Eine lange Zeit beim Autofahren. – Peter bleibt aber immer Herr der Lage.
Bei unserer Hütte angekommen, statten wir zunächst unseren Vermietern einen Besuch ab, um ihnen zu erzählen, dass wir beim Arzt waren, denn.sie waren nämlich auch sehr besorgt. Sie zeigen uns dann noch den Wetterbericht der Tageszeitung, der zum Wochenende eine leichte Wetterbesserung verspricht, und wir beginnen wieder, auf Polarlichter zu hoffen. Sie bieten uns auch an, an einer nahe gelegenen Feuerstelle Feuer zu machen. Das machen wir jedoch nicht – vielleicht bei unserem nächsten Urlaub. Das ist mit Sicherheit gemütlich. Dann gehen wir rüber zu unserer Hütte und machen uns eine unserer mitgerachten Konserven warm. Es ist jetzt ca. 18:30 Uhr, vom Gefühl her hätte ich gedacht: 21:00 Uhr. Auf Grund der langen Dunkelheit ist meine innere Uhr etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Den Rest des Abends verbringen wir wie am Vortag: Peter geht zu Bett, ich schreibe an meinem Tagebuch.