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Reiseberichte > Schweden 2001
Mittwoch, 21.11.2001
Ich wache heute morgen recht früh auf (ca. 8:00 Uhr).Dann koch ich Tee und esse schon mal Frühstück. Peter lasse ich diesen Morgen ausschlafen. Er ist krank und soll sich erstmal richtig ausruhen. Damit mir aber jetzt nicht langweilig wird, fange ich an, dieses Tagebuch zu schreiben. Ich würde zwar auch gerne ins Freie hinausgehen. Aber allein, ohne dass jemand weiß wo ich bin? Das halte ich nicht für so eine gute Idee. Also bleibe ich hier. Vom Fenster aus kann ich hin und wieder Vögel auf einem Baum sitzen sehen. Ich hole mir das Fernglas: schwarzer Kopf, Brust und Bauch graubraun, etwas kleiner als eine Amsel, vielleicht auch genauso groß Ich tippe auf Dompfaff-Weibchen, bin mir aber nicht sicher.
Um 11:00 Uhr wacht Peter endlich auf, fühlt sich natürlich immer noch krank. Nachdem Peter gefrühstückt hat, kramen wir zum ersten Mal in diesem Urlaub unsere Schneeanzüge heraus. Wir wollen ein bisschen die Gegend erkunden; Jedoch wollen wir nicht zu lange draußen bleiben, da Peter ja krank ist. Also ziehen wir uns richtig schön warm an: lange Unterwäsche, Flanellhemd, 2 Paar Stümpfe, Sweatshirt bzw Fleece-Jacke, Schnee-Anzug, Mützen mit Ohrenschützern, unsere Ski-Handschuhe und unsere supertollen Moonboots (die sind wirklich toll). So machen wir uns als erstes auf den Weg zu unseren Vermietern, um die Miete für die Hütte zu bezahlen. Wir kommen mit den Vermietern ins Gespräch. Peter erzählt auch, dass er krank ist und Fieber hat. Daraufhin gibt die Vermieterin uns ein Fieberthermometer und bietet uns an, einen Arzt anzurufen. Wir antworten, dass wir erstmal abwarten wollen. Wir haben noch Hoffnung, dass sich das Ganze von allein bessert. Mir rinnt jetzt langsam der Schweiß herunter. Peter denkt, er bekommt gerade einen Fieberschub, aber mir ist auch total heiß. Tja, warme Winterklamotten sind eben nichts für eine gut geheizte Wohnung. Dass machen wir uns auf den Weg; wir wollen den Ort erkunden. Die Temperatur liegt zwischen-7° und -10° C. Wir gehen nicht weit, nur bis zum nächsten Supermarkt (ca. 1 km von unserer Hütte entfernt), dann kehren wir wieder um. Übrigens: Bürgersteige gibt’s hier nicht. Wir gehen also auf der Straße immer auf der Hut vor Autos. Wieder bei unserer Hütte angekommen, beschließe ich, den Wald vor unserer Hütte etwas zu inspizieren, solange es noch hell ist. Ich verspreche Peter aber, dass ich in Sichtweite bleibe. Er fummelt währenddessen irgendwas am Auto herum – was, weiß ich auch nicht so genau. Ich kämpfe mich jetzt jedenfalls ein Stück in den Wald hinein durch kniehohen Schnee und sehe mir Tierspuren an. Dann kehre ich aber wieder um, da es allmählich dunkel wird. Peter ist inzwischen mit unserem Vermieter ins Gespräch gekommen. Ich habe noch ein wichtiges Detail vergessen zu schreiben: Es schneit bereits seit heute Vormittag. Als ich wieder bei Peter angekommen bin, erzählt Peter mir von seinem Gespräch mit unserem Vermieter: Er hat ein Snowmobil. Als Peter ihm erzählt hat, dass wir gestern zwei Elche gesehen haben, hat er geantwortet, dass vor ein paar Tagen 4 Elche hier am Haus gefressen haben. Außerdem Original-Zitat Peter: „Dass wir 2 Flaschen Whisky haben, hab ich ihm auch schon erzählt.“ Dann kommt unser Vermieter wieder zu uns. Er erzählt uns, dass er nach Gällivare gefahren war, um einen Regulator für den Scheinwerfer seines Snow-Mobils zu kaufen (und natürlich Cognac). 50 km weit fahren nur wegen eines simplen Ersatzteils!
Er macht sich dann auf zu dem Schuppen, in dem seine Snow-Mobile geparkt sind. Wir stehen eine Weile dumm herum und folgen ihm dann. Peter fragt, ob er helfen kann. Nachdem das Licht repariert ist, zeigt er uns en Anhänger für sein Snow-Mobil. Wir ziehen ihn gemeinsam aus dem Schuppen, und er hängt ihn an das Snow-Mobil. Dann holt er aus seinem Haus ein Rentier-Fell und legt es in den Anhänger. Wir beobachten das alles, denken uns aber nichts weiter dabei. Dann sagt er zu uns, dass wir uns in den Anhänger setzen sollen. Das schöne Rentier-Fell – viel zu schade, um sich darauf zu setzen; aber wir setzen uns trotzdem. Und dann geht die Fahrt los: In der Dämmerung durch den verschneiten Wald überqueren wir einen zugefrorenen See. Etwas mulmig ist uns schon, aber wir gehen davon auf, dass er sich sicher ist, dass der See auch wirklich zugefroren ist. Die Abgase riecht man und die Dinger machen einen Höllenlärm, aber das ist angesichts dieser traumhaften Tour vernachläsigbar. Auf der anderen Seite des Sees geht’s wieder durch den verschneiten Wald. Uns ist warm; die Schneeanzüge erfüllen ihren Zweck. Nur unserem Gesicht bläst der eisige Fahrtwind entgegen. Das merken wir jedoch kaum. Wir genießen die Tour und kommen und vor wie in einem Märchen. Unterwegs machen wir eine kurze Pause. Peter und ich rauchen eine Zigarette, und wir unterhalten uns mit unserem Snowmobilfahrer. Er erzählt uns, dass sich hier vom 5. Dezember bis 5. Januar die Sonne gar nicht mehr blicken lässt. Außerdem zeigt er uns Elchspuren. Dann geht die Fahrt weiter. Wir kehren zur Hütte zurück. Insgesamt hat die Tour etwa 1 ½ Stunden gedauert bei einer Außentemperatur von ca. -5° C. Wir sind total begeistert und beschließen, unserem Vermieter eine unserer mitgebrachten Whiskyflaschen zu schenken. Ich glaube, er hat sich sehr darüber gefreut. Es ist jetzt fast dunkel, und meine Uhr zeigt an: 15:30 Uhr. (Meine innere Uhr hätte auf 18:00 Uhr getippt.)
Wir sind jetzt ziemlich hungrig und machen uns in unserer Hütte erstmal etwas zu essen. Danach begibt Peter sich zu Bett. Seine Erkältung schlägt jetzt wieder voll durch, und er fühlt sich sehr schlecht. Also: Außentemperatur -5° C, Peters Körpertemperatur +39,4° C. Das ist schon ganz schön viel, und wir beschließen, am nächsten Tag auf jeden Fall zu Arzt zu fahren. Peter schläft also jetzt. Damit mir jetzt nicht zu langweilig wird, schreibe ich weiter an meinem Tagebuch. Das ist eine gute Beschäftigung für einen Winterabend. Peter wacht wieder auf, als ich zu Bett gehen will. Er setzt sich an den Tisch; sein Schlafsack ist so durchgeschwitzt, dass man ihn hätte auswringen können. Irgendwann schlafe ich ein. Peter muss wohl irgendwann auch wieder zu Bett gekommen sein.