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Reiseberichte > Schweden 2001

Montag, 19.11.2001
Wir schlafen heute bis 10:00 Uhr. Das ist im Vergleich zu den voherigen Nächten recht lange. Wir hatten am Vortag noch überlegt, ob wir noch eine Nacht länger in Porjus bleiben sollen, damit Peter sich richtig auskurieren kann. Wir haben aber das Gefühl, dass wir schon spät dran sind, um noch eine Nacht nachzubuchen. Außerdem haben wir kaum noch Bargeld, und in Porjus gibt es keinen Geldautomaten, so dass wir auch keines hätten holen können. (Die Übernachtung muss bar bezahlt werden.) Also machen wir uns für die Weiterreise bereit: Frühstück essen, unser sämtliches Gepäck wieder ins Auto einladen. Die Winterklamotten verstauen wir jetzt so, dass wir sie jederzeit griffbereit haben. Um ca. 11:10 Uhr treten wir wieder die Fahrt an. Unser nächstes Ziel: Gällivare, ca. 50 km. Peter fühlt sich immer noch krank und hat auch mit Sicherheit noch Fieber. Deshalb nehmen wir uns vor, uns in Gällivare eine Unterkunft zu suchen. Außentemperatur -13° C. Die Fahrt nach Gällivare ist unspektakulär; Dauer ca. 1 Stunde. Dort angekommen führt uns unser erster Weg in eine Apotheke. Um dort bedient zu werden, muss man eine Nummer ziehen (so wie man es bei uns vom Rathaus her kennt). Das tun wir dann auch. Als wir an der Reihe sind, versucht Peter der Apothekerin zu erklären, was ihm fehlt. Ich denke, sie versteht uns auch ganz gut und verkauft uns Tabletten, die die Halsschmerzen lindern, rät uns aber, zu einem Arzt zu gehen, sollte es nicht besser werden. Wir fühlen uns ganz gut bedient. Als nächstes statten wir der Touristen-Information einen Besuch ab. Dort fragen wir nach Übernachtungsmöglichkeiten und nach einen Internet-Café. Über Übernachtungsmöglichkeiten denken wir später nach, erstmal ab ins Internet-Café oder besser gesagt in die Bibliothek, denn dort gibt es Computer, die für’s Internet zur Verfügung stehen, und das Ganze kostet nicht mal was. Nur den Kaffee muss man bezahlen; der kostet pro Tasse 2 Kronen. Peter kann es kaum erwarten, seine eMails zu lesen bzw. zu schreiben. Ca. 1 Stunde sind wir dort. Dann marschieren wir weiter, immer noch keine Schlafgelegenheit in Aussicht. Wir überlegen hin und her, ob es sinnvoll ist, sich hier am Ort wieder ein Zimmer zu nehmen oder ob wir nicht doch lieber für eine Woche eine Hütte fest buchen sollen. Wir fahren noch nach Dundret hinauf (ein Berg 5 km von Gällivare entfernt) in der Hoffnung, dort ein günstiges Nachtlager zu finden. Die ganze Gegend sieht recht teuer aus, eben Wintersport-Gebiet: Ski-Pisten, und oben auf dem Berg steht ein Hotel, das eher nach der gehobenen Preisklasse aussieht. Trotzdem wagen wir den Schritt zur Rezeption und fragen nach den Preisen für ein Zimmer: 1.350 Kronen pro Person und Nacht. Das sind umgerechnet ca. 300,00 DM. Uns fällt in Gedanken die Kinnlade herunter. Wir lassen uns aber nichts anmerken, bedanken uns und gehen wieder. Das war also ein Flop. Das hätten wir uns eigentlich gleich denken können, so wie „der Schuppen“ von außen aussieht. Wir fahren also wieder zurück nach Gällivare, kurven noch einmal ums Zenttrum herum, fahren dann tanken und verwerfen den Gedanken endgültig, uns hier ein Zimmer zu suchen. Weiter geht die Fahrt also Richtung Kiruna, ca. 120 km Richtung Norden. Es ist auch schon wieder dunkel geworden, die Uhr zeigt 18:00 Uhr. Außentemperatur ca. -10° c. Die Straße ist so ziemlich schneefrei. Wir beschließen, uns auf dem Weg nach Kiruna eine Hütte zu suchen. Nach 45 km folgen wir einem Schild „Stugor“. Das heißt auf deutsch „Hüten“. Wir klingeln dort; im Haus ist auch Licht zu sehen, jedoch öffnet niemand die Tür. So müssen wir leider unverrichteter Dinge wieder abfahren. Nach ca. 3 km erfolgt unser nächster Stop: Ein „Gästgiveri“, zu deutsch „Gästehaus“. Dort ist leider kein Zimmer mehr frei, also setzen wir unsere Fahrt Richtung Kiruna fort. Kurz vor Kiruna folgen wir wieder einem „Hütten-Schild“ – durch verschneite Nebenstraßen. Auch dort öffnet niemand die Tür. Womöglich sind wir zu spät. Es ist zwar erst zwischen 19:00 Uhr und 20:00 Uhr, aber vielleicht muss man wirklich bei Helligkeit kommen. Vielleicht ist es wirklich so, dass bei Dunkelheit alle besoffen unter dem Tisch liegen. Jedenfalls habe ich gelesen, dass die Skandinavier sehr viel trinken.
Unsere Fahrt geht also weiter nach Kiruna hinein. Kiruna ist übrigens schon von weitem zu erkennen. Wahrscheinlich ist es die nördlichste Großstadt, jedenfalls der Wolkenschicht und Staddthelligkeit nach zu urteilen. Und über dieser Großstadt soll man Polarlichter sehen können? Wir bezweifeln das. Jetzt müssen wir aber erstmal tanken. An der Tankstelle fragen wir wieder mal nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Das Einzige, das wieder mal in Frage kommt und auch nicht allzu teuer ist, ist wieder eine Art Gästehaus. Das Mädel von der Tankstelle ist sehr freundlich, gibt uns eine Karte von Kiruna und kreuzt dort mehrere Übernachtungsmöglichkeiten an, telefoniert sogar für uns, um zu erfragen, ob noch ein Zimmer frei ist. Man kann übrigens überall sagen wo wir hingekommen sind: Die Menschen sind sehr, sehr hilfsbereit. Wir essen dann noch etwas an der Tankstelle und setzen dann unsere Fahrt fort, raus aus dieser Stadt. Wir fahren Richtung Narvik, ca. 20 km, drehen dann das Auto, sind unentschlossen. Was sollen wir jetzt tun? Vor allem: Wo sollen wir übernachten? Noch eine Nacht im Auto schlafen? Unmut macht sich breit., vor allem bei mir. Peter ist noch krank, und mir ist das Auto auf Dauer einfach zu eng, jedenfalls, da wir auf den Vordersitzen schlafen müssen. Es ist 22:00 Uhr; jetzt stehen wir hier auf einem Parkplatz 20 km von Kiruna entfernt, und ich bin kein Stück müde, Peter auch nicht. Ich glaube, ihn nervt die ganze Situation auch ein wenig, obwohl er sich ziemlich zusammenreißt. Es ist ja noch früh am Abend, also fahren wir zurück nach Kiruna. Vielleicht finden wir ein Souvenirgeschäft. Wir suchen uns also einen Parkplatz, ziehen uns warm an und stiefeln durch die Stadt. Leider sind wir fast die einzigen; man sieht sonst fast niemanden mehr. Auch die Geschäfte haben natürlich geschlossen. Hier werden wirklich bei Geschäftsschluss die Bürgersteige hochgeklappt. Irgendwie finden wir diese Stadt öde und kehren zum Auto zurück. Als wir im Auto sitzen,, quatscht uns noch jemand an, der bereits reichlich Alkohol getankt hat. Das ist sehr lustig.
Wir beschließen, uns jetzt das Ice-Hotel anzusehen und fahren nach Jukkasjärvi. Dort parken wir das Auto vor der Rezeption, steigen aus; und was sehen wir über uns? Ein supertolles Polarlicht, das sich einmal über den halben Himmel zieht. Es leuchtet leicht grünlich, und es ist sehr viel Bewegung darin, d. h. es ändert rasch die Form. Peter packt sofort Stativ und Videokamera aus und versucht es aufzunehmen. Das Ice-Hotel bekommen wir nicht zu Gesicht. Die 2 Meter großen Eisblöcke, die man am Weg aufgestellt hat, sind recht imposant. Wir gehen ein Stück den Weg hinunter bis wir vor einer Halle stehen. Wahrscheinlich ist das Ice-Hotel in oder hinter der Halle. Wir wissen es nicht. Jedenfalls kostet die Besichtigung etwas. Wir finden das Ice-Hotel, das wir nicht einmal gesehen haben, enttäuschend und kehren daher zum Auto zurück. Und weiter geht unsere Fahrt wieder Richtung Gällivare. Wir fahren dann noch einige Kilometer und sehen während der Fahrt ein Polarlicht. Der nächste Parkplatz ist unser. Dieses Polarlicht ist noch schöner als das, was wir in Jukkasjärvi gesehen haben. Es leuchtet wieder grünlich und ändert sehr rasch die Form, von Stahlen zum Kranz, erst ist es schmal, dann wieder breiter; man kann es kaum beschreiben. Peter baut zwei Stative, seine Videokamera und seinen Fotoapparat auf. Als dann das Polarlicht nicht mehr zu sehen ist, überlässt er mir auch ein Stativ, damit ich wenigstens noch den schwarzen Himmel fotografieren kann. Sehr zuvorkommend! Wir setzen dann unsere Fahrt fort, steuern die nächsten Parkplatz an, und bauen unser Nachlager. Mich kotzt nun plötzlich alles an: Das Auto ist zu eng, es gibt hier in der Nähe keine Toilette, ich kann meinen Sitz nicht nach hinten drehen. Ich habe die Befürchtung, dass wir drei Wochen lang im Auto schlafen müssen. Peter, der krank ist, geht mein Gemotze ganz schön auf den Wecker.

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