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Reiseberichte > Schweden 2001

Sonntag, 18.11.2001
Es ist 5:00 Uhr morgens, Peter weckt mich. Wir haben sternklare Nacht. So eine gute Aussicht auf die Sterne hat man bei uns in Norddeutschland nicht; man kann es kaum in Worten ausdrücken. Die nächste Ortschaft ist weit weg, Großstädte gibt’s hier nicht. Wir sehen mehrere sehr helle Sternschnuppen und mindestens 2 Feuerkugeln. Eine ist so hell wie eine Silvesterrakete, leuchtet bläulich auf und die Rauchspur ist noch mehrere Sekunden lang zu sehen. Das ist aber nicht das Einzige, das wir an diesem Sonntag morgen sehen. Wir bemerken, dass der Himmel Richtung Norden in einem weißlichen Licht aufgehellt ist. Plötzlich bemerken wir eine Bewegung in diesem hellen Schein. Mal leuchtet ein Stück mehr vom Himmel auf, dann wieder weniger. Wir sehen tatsächlich jetzt unser erstes Polarlicht, und das 20 km vor dem Polarkreis; es ist zwar nicht sehr kräftig, aber immerhin ein Polarlicht. Die Temperatur liegt übrigens zwischen -1° und -3° C.
Der Horizont gen Süden hellt sich merklich auf. Nein, diesmal ist es kein Polarlicht. Die Sonne geht auf. Es ist ca. 7:00 Uhr. Unsere Fahrt geht weiter Richtung Jokkmokk; diemal schon so früh, weil wir uns im nächsten Ort unbedingt ein vernünftiges Nachtquartier suchen wollen. Peter geht es nicht sehr gut: Immer noch Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und wahrscheinlich Fieber.
Um ca. 7:30 Uhr erreichen wir endlich eines unserer großen Ziele: Den Polarkreis. Die Außentemperatur liegt bei etwa 5° C. Hier machen wir natürlich erstmal Halt. Wir finden eine halbkreisförmige Tafel vor, die darüber in mehreren Sprachen (darunter auch in Deutsch) informiert, dass man sich am Polarkreis befindet und was es mit diesem Breitengrad auf sich hat. Wir machen ein paar Fotos und genießen es, durch den Schnee zu stiefeln. Auf einem Berg steht ein Häuschen mit der Aufschrift „Café und Souvenirs“. Das Gebäude wirkt verlassen, wahrscheinlich ist dort nur im Sommer Betrieb. Außerdem sehen wir ein Häuschen mit einem Snowmobil vor der Tür. Ein Husky ist dort angeleint. Er beobachtet uns sehr genau, doch als wir ihm zu nahe kommen, bellt er uns an. Unsere Mützen, Schals und Stiefel, sprich: unsere Winterklamotten, liegen natürlich noch gut verstaut im Dachkoffer. In meinen Halbschuhen werden mir jedoch allmählich meine Füße zu kalt. Bevor wir weiterfahren, benutzen wir noch die beheizten Toiletten am Polarkreis, dann setzen wir unsere Fahrt Richtung Jokkmokk fort. Noch ein Satz zu den Toiletten: Wo wir auch bisher die Toiletten benutzt haben, allesamt waren sehr sauber, teilweise waren es richtig geräumige Zimmer und hier am Polarkreis sogar beheizt. Das muss ich einfach noch mal positiv erwähnen, wenn man bedenkt, was für Drecklöcher man in Deutschland manchmal vorfindet.
In Jokkmokk halten wir uns nicht lange auf; nur zum Tanken machen wir einen Stop. Ach so, ein Satz noch zur Außentemperatur: Man hat den Eindruck, dass seit dem Polarkreis die Temperatur rapide abgesackt ist. Wir haben jetzt ca. 10° C.
Ich wäre so gern in den Muddus Nationalpark gegangen, wir fahren auch eine Seitenstraße hinunter und folgen dem Hinweis-Schild. Peter meint aber, dass es zu gefährlich ist. Ich sehe das dann auch ein, bin aber ein bisschen traurig. Man wäre aber wahrscheinlich mit dem Auto nicht weit gekommen, schon gar nicht ohne Schneeketten. Das ideale Fortbewegungsmittel wäre wohl ein Snowmobil gewesen.
Auf unserem Weg nach Gällivare durchfahren wir jetzt einen kleinen Ort namens Porjus. Wir durchfahren den Ort (es ist ca. 10:00 Uhr) fragen nach der Tourist-Information, können sie jedoch nicht finden. Wir durchfahren den Ort noch einmal. Der Supermarkt hat geschlossen, ein kleiner Souvenirladen hat ebenfalls geschlossen. Es ist ja Sonntag.
Schließlich halten wir an einem Bahnhofshäuschen, in dem sich ein Fotostudio mit Galerie befindet, um dort nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen. Die Inhaberin bittet uns herein. An der Wand hängen Fotos von Polarlichtern. Was für ein Glück; die Fotografin vermietet selbst Zimmer. Sie holt ihre Autoschlüssel, fährt voran, wir hinterher. Sie führt uns zu einem Gästehaus: ein Haus mit mehreren Zimmern, einer komplett eingerichteten Küche und einem Aufenthaltsraum mit Fernseher, einem Sofa und Esstischen und natürlich Dusche und WC. Die Räumlichkeiten sind zum Glück gut beheizt, denn draußen herrschen mittlerweile -13° C. Wir zahlen 120 Kronen pro Person für eine Nacht. Das sind umgerechnet etwa 30,00 DM. Wir kommen mit der Fotografin ins Gespräch, erklären, was uns nach Lappland verschlagen hat, und sie gibt uns Tipps zur Polarlicht-Fotografie. Sie weiß einies zu dem Thema zu sagen, denn sie verdient damit ihr Geld. Dann verlässt sie uns. Wir sind froh, die nächste Nacht in einem richtigen Bett schlafen zu können. Peter fühlt sich immer noch sehr krank und meine Lippen sind so ausgetrocknet, dass sich langsam die Hautfetzen ablösen; ich komme mit dem Crmen gar nicht hinterher. Wir beschließen also, zuerst zu duschen – endlich mal – und uns direkt danach zu Bett zu begeben, damit wir dann abends wieder ausgeschlafen haben, um das Polarlicht zu bewundern. Also gesagt, getan, aber erst kramen wir noch unsere Winterbekleidung heraus: Mützen, Schals, Handschuhe, Stiefel, lange Unterwäsche, warme Strümpfe und Flanellhemden. Übrigens: Die Dämmerung beginnt hier etwa um 14:00 Uhr, um 16:00 ist es stockdunkel.
Wir verschlafen also den Nachmittag. Peter ist es ziemlich heiß; er hat wahrscheinlich Fieber. Leider haben wir kein Fieberthermometer, also misst Peter mit seinem Außenthermometer, was natürlich sehr ungenau ist. Ich schätz jetzt mal seine reale Temperatur: ca. 39,4° C.
Um 15:00 Uhr wachen wir wieder auf. Bevor Peter aufwacht, faselt er im Schlaf, dass er seine Sitzheizung nicht abstellen kann und dass da so viele Kabel sind. Ich schätz mal, Peter hat im Schlaf sein Fieber mit der Sitzheizung verwechselt. Wir machen uns jetzt erst was zu essen, eine von unseren mitgebrachten Konserven, und fahren dann noch einmal los, um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Der Supermarkt hat sonntags für zwei Stunden geöffnet (von 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr). Porjus ist ein sehr kleiner Ort, wir finden hier weder eine Apotheke noch einen Geldautomaten. Aber wir bringen aus dem Supermarkt Echinacea mit. Vielleicht hilft es ja. Wieder in unserem Quartier angekommen sehen wir noch etwas fern, verstehen aber kein Wort, da natürlich schwedisch gesprochen wird. Bald gehen wir dann auch zu Bett, nur um mitten in der Nacht wieder aufzuwachen. Wir ziehen uns an. Peter will trotz Fieber nach Polarlichtern Ausschau halten. Die Außentemperatur ist mittlerweile gesunken auf -18° C. Vor unserer Haustür angekommen, sehen wir ein ziemlich helles Polarlicht. Wir setzen uns ins Auto, schmeißen die Standheizung an und fahren runter zur Bahnstation, da wir dort eine bessere Sicht haben. Das Polarlicht leuchtet in weißem Licht und zieht sich bogenförmig von Nord nach Süd über den gesamt Himmel. Es sieht aus wie ein überdimensionaler Kometenschweif. Unser Foto-Equipment bauen wir nicht auf, da wir uns auf Grund Peters Gesundheitszustandes nicht zu lange draußen aufhalten wollten.

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